Holger sacht nix


© WDR/ARD Degeto/Tom Trambow


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Regie für einen ARD-Mittwochsfilm. „Holger sacht nix“ ist eine Produktion der Elsani Film (Produzentin Anita Elsani) im Auftrag des WDR (Redaktion: Lucia Keuter, Jochen Randig) und ARD Degeto (Jörn Klamroth).

Quotentagessieger bei der Erstausstrahlung

Bei der Erstausstrahlung in der ARD am 26.10.2011 wurde „Holger sacht nix“ mit einem Marktanteil von 16,7% und 5,4 Millionen Zuschauern Quotentagessieger. Weitere Informationen hier und hier.

Inhalt

Völlig abgebrannt, ohne Job und Perspektive, aber mit Sohn (Sam Gerst) im Gepäck muss Olga (Julia Maria Köhler) ihre hochfliegenden Großstadtträume begraben und mit Anfang dreißig zurück ins heimatliche Dorf zu ihren Eltern ziehen. Während Mutter Lilo (Carmen-Maja Antoni) sich freut, die beiden bei sich zu haben, straft Holger (Tilo Prückner) Tochter und Enkel mit stoischem Schweigen. Dass Olga seinerzeit den elterlichen Hof nicht übernehmen wollte und einfach in die Großstadt gegangen ist, nimmt Holger ihr heute noch zutiefst übel. Erst als die gesamte Familie auseinander zu brechen droht, kommt Holger endlich aus seinem Schneckenhaus. Er verändert dadurch nicht nur sein Leben, sondern auch Olgas von Grund auf.

Besetzung & Stab
Besetzung

Holger Thiessen: Tilo Prückner

Tilo Thiessen: Carmen-Maja Antoni

Olga Thiessen: Julia-Maria Köhler

Der General: Edgar M. Böhlke

In weiteren Rollen Tobias van Dieken, Holger Kunkel, Peter Fieseler, Daniel Drewes

Stab

Regie: Thomas Durchschlag

Kamera: Olaf Hirschberg

Ton: Andreas Wölki

Kostüm: Ute Paffendorf

Maske: Antje Huchel, René Jordan

Schnitt: Ingo Ehrlich

Redaktion: Lucia Keuter, Jochen Randig

Produzent: Anita Elsani

Pressestimmen

Eine Familie bricht auseinander, obwohl sich doch eigentlich alle lieb haben. „Holger sacht nix“ ist eine hübsch ausgedachte Landkomödie, die die Rituale des dörflichen Lebens auf überspitzte Weise in das familiäre Beziehungschaos einbindet. Trocken die Sprache, pointiert die Dialoge, skurril einige Charaktere. Das ist nicht weltbewegend, dennoch bewegt diese kleine Welt mit den kleinen Leuten nicht wenig – und Tilo Prückner ist unnachahmlich. Trocken die Sprache, pointiert die Dialoge, skurril das gereifte Ehepaar. Kommunikation ist alles. Wenn der eine plappert, hält der andere den Mund oder umgekehrt. Das ist nicht weltbewegend, dennoch bewegt diese kleine Welt mit den kleinen Leuten nicht wenig.
Tittelbach.tv 2.10.2011

Dieser ungemein liebenswerte Film erzählt seine Geschichte mit Witz, Charme und Zurückhaltung. Das gute Ende, das dieser Film, diese Geschichte nehmen wird, ist zwar einsehbar, fühlbar, zu erwarten, es lähmt aber die Figuren auf der Strecke nicht. Immer mal wieder hält das Drehbuch von Katja Kittendorf stimmige Dialoge bereit, die so klingen, als hätte die Autorin ein gutes Ohr für den Alltag und das Leben jenseits des Degeto-Bildschirms. „Skurril“ ist eigentlich ein falsches Wort für das, was auf dem Land, was im Dorf geschieht.

Das Land hat ein anderes Tempo, eine andere Traurigkeit als die Stadt, eigene Fallen, eine andere Intimität. Der Film zeigt all das, doch er findet Bilder, die nicht nur komödiantisch sind, sondern auch Lebenswirklichkeit erfassen. Die Rührung, die den Zuschauer erfasst, hat nichts Falsches, weil dieser Film (Regie: Thomas Durchschlag) angenehm unterhält, er treibt seine Figuren in keine schwarze Verzweiflung, aber er verschweigt nicht, dass diese Figuren auch verzweifelte Wege gehen könnten, wenn sie nicht in dieser Komödie unterwegs wären.

Was dieser Film so schön einfängt, ist die ländliche Mentalität. Dass etwas „skurril“ oder „verschroben“ ist, davon wissen das Dorf und seine Bewohner nichts. Es ist einfach so, wie es ist auf dem Dorf, manches wirkt sonderbar-sonderlich, manches ist grotesk, aber der Film erhebt sich nicht darüber, stellt es nicht aus und macht aus dem Dorf keine Insel der Deppen. Fast alle Figuren hier hatten irgendwann große Träume – jede von ihnen hatte dieses Bekenntnismoment –, und in diesen Szenen, wenn die Figuren von ihrem Scheitern sprechen (ohne dass wir dabei in einem Dorfteich voller Sentimentalität versinken), ist der Film am schönsten, weil sein Trost nicht billig ist und nicht verlogen. Gelingt etwas im Leben, trägt es immer auch Unglück in sich. Früheres und vielleicht auch kommendes. Das spricht der Film, der dunkle und derbe Töne hat, aus.
Funk Korrespondenz, 21.10.2011

«Holger sacht nix» ist eine warmherzige Komödie um Familie und Versöhnung. Wobei die Protagonisten erst erkennen müssen, dass sie nur gemeinsam wirklich stark sind. Zusammenhalt, Vertrauen und Kommunikation sind schließlich die stärksten Problemlöser. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, wurde von Regisseur Thomas Durchschlag allerdings in einen stimmigen Fernsehfilm mit authentischen Figuren verwandelt.
dapd

Drehbuchautorin Katja Kittendorf und Regisseur Thomas Durchschlag drehten mit ihren Stars Prückner, Antoni und Köhler einen kleinen, sympathischen Film, der große, unsympathische Probleme umspielt: die Landflucht, die Geschäftemacherei mit Grund und Boden und Tierzucht, die Perspektivlosigkeit der jungen und die Ausgrenzung der alten Leute. Im Mittelpunkt aber stehen die Charakterstudien: der enttäuschte alte Landwirt, der das Maul nicht aufkriegt und sich lieber mit seiner gesamten Familie überwirft als sich einmal aufzuraffen und reinen Tisch zu machen; Quasselstrippe Lilo, die ins Leben ihrer Lieben ständig reinregiert, bis ihr alle davonlaufen; Olga, die Hübsche, die mal groß rauskommen wollte und nun lernt, dass man auch dabei klein anfangen muss. Die Saat ist aufgegangen, die kleine bescheidene Komödie sprießt.
Der Tagesspiegel, 25.10.2011